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Lehre:
Genderkompetenz
& Tools
Unsere Genderstreusel legen wir Euch besonders ans Herz – eine bunte Auswahl an abwechslungsreichen Tools. Das perfekte Topping für eine vielseitige und wirkungsvolle Lehre!
Das Ausprobieren neuer Tools im Lehralltag kann für Studierende und Lehrende gleichermaßen inspirierend und bereichernd sein. Dabei ist es wichtig zu bedenken, dass Methoden keine Rezepte sind, die standardisiert umgesetzt werden können und stets zum gleichen Ergebnis führen. Deshalb braucht es eine gute Vorbereitung, im Zuge derer eigene Ideen oder Beispiele mitgedacht und Handlungsalternativen geschaffen werden. Besonders bei Methoden, die Studierende gezielt für Genderaspekte sensibilisieren und dazu anregen, sich mit Geschlechterrollen auseinanderzusetzen, ist es zudem von Bedeutung, dass Lehrende eine entsprechende Genderkompetenz mitbringen. Da es im pädagogischen Handeln zu einer erneuten Geschlechterstereotypisierung kommen kann, ist es essentiell, die eigene Praxis immer wieder dahingehend zu hinterfragen, inwiefern sie Ungleichheiten produziert oder reproduziert.
Tool 01
Tandem-Interview
Studierende interviewen sich gegenseitig
Studierende interviewen sich gegenseitig
Kurzbeschreibung
Zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts interviewen sich abwechselnd und reflektieren die Ergebnisse.
Vorgehen
- Es werden geschlechtergemischte Tandems von zwei Personen gebildet.
- Die zwei Tandemmitglieder interviewen sich jeweils gegenseitig zu bestimmten Themen.
- Die Antworten werden auf Moderationskarten geschrieben. Je nach Geschlecht werden unterschiedliche Farben genutzt. Es handelt sich ursprünglich um eine binäre Übung, die aber um beliebig viele weitere Geschlechter ergänzt werden kann.
- Anschließend werden die Antworten im Plenum vorgestellt und die Karten getrennt nach Geschlecht aufgehängt.
- Zuletzt werden die Antworten ausgewertet sowie die Zuordnung nach Geschlecht reflektiert.
Beispiel
Interview:
- Alter
- Semesterzahl, Studienfach, Studienschwerpunkt
- Erwartungen bezogen auf die Veranstaltung
- Befürchtungen bezogen auf die Veranstaltung
Auswertung:
- Gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Erwartungen und Befürchtungen zwischen den Geschlechtern?
- Was hat Sie an den Erwartungen und Befürchtungen des je anderen Geschlechts am meisten überrascht?
- Kritische Reflexion: Wie sinnvoll ist die Zuordnung nach Geschlecht?
Didaktische Funktionen
Im Tandem-Interview können sich die Studierenden zu Beginn einer Veranstaltung gegenseitig kennenlernen und austauschen, während sie gleichzeitig für Geschlechteraspekte sensibilisiert werden. Dadurch lernen die Studierenden, sich aktiv mit Geschlechterrollen und der Bedeutung von Gender im Hochschulkontext auseinanderzusetzen.
Quelle:
Blickhäuser, A.; Bargen, H. v. (2006): Mehr Qualität durch Gender-Kompetenz: Ein Wegweiser für Training und Beratung im Gender Mainstreaming. Königstein im Taunus: Ulrike Helmer Verlag.
Tool 02
Pädagogische Biographiearbeit
Lernen anhand der eigenen Biographie
Lernen anhand der eigenen Biographie
Kurzbeschreibung
Durch eine geleitete Selbstreflexion werden sich die Studierenden ihrer inkorporierten Denk- und Handlungsmuster bewusst. Der Fokus liegt dabei auf der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtersozialisation in Familie und Gesellschaft.
Vorgehen
- Zunächst vermittelt die Lehrperson theoretischen Input zum Thema Gender und Geschlechterrollen.
- Anschließend wird das Gelernte mit biografischen Erfahrungen der Studierenden verknüpft. Hierbei sollte besonders sensibel vorgegangen werden.
- Unter Einbezug der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren die Studierenden nun ihre eigene Lebensgeschichte und tauschen sich aus.
- Es ist den Studierenden jederzeit möglich, Pausen einzulegen, sich aus der Diskussion bestimmter Themen herauszunehmen oder zeitweise den Raum zu verlassen.
- Die biografische Selbstreflexion wird stets in einen gesellschaftlichen, historischen und kulturellen Kontext eingebettet.
- Alternativ kann der thematische Zugang auch über eine fremde Biographie erfolgen, um Empathie und den Blick für Vielfältigkeit zu stärken.
Beispiel
- Zuordnung von mitgebrachten Kleinkindfotos: Handelt es sich um Jungen oder Mädchen? Woran machen wir das jeweilige Geschlecht fest?
- Erinnern und Erzählen: War ich ein „typisches“ Mädchen / ein „typischer“ Junge? Mit welchen Spielzeugen habe ich gespielt?
- Reflektieren und Vergleichen: Wie empfinde ich meine Geschlechterrolle heute? Wo möchte ich zukünftig „untypischer“ sein?
- Feedback: Welche Erkenntnisse bezüglich meiner eigenen Erziehungsgeschichte und Sozialisation haben mich überrascht?
Didaktische Funktionen
Die Methode regt einen persönlich bedeutsamen Lernprozess an, indem theoretische Inhalte mit persönlichen Erfahrungen verbunden werden. Dabei können die Studierenden unter dem Einbezug ihrer biografischen Ressourcen selbst neue Handlungskompetenzen entwickeln.
Quelle:
Tool 03
3-R-Methode
Repräsentation, Ressourcen und Realität an der HM
Repräsentation, Ressourcen und Realität an der HM
Kurzbeschreibung
Die 3-R-Methode ist ein Instrument der Gender-Analyse, das sowohl Studierende als auch Lehrende dabei unterstützt, im Hochschulkontext vorherrschende Rollenmuster und geschlechtsspezifische Verhaltensweisen zu reflektieren. Im Prozess wird die Repräsentation der Geschlechter sowie die Verteilung von Ressourcen quantitativ und die Realität anschließend qualitativ untersucht.
Beispiel
Repräsentation:
- Wie groß ist der Anteil an Männern, Frauen und nichtbinären Personen?
- Wie oft werden Personen unterschiedlichen Geschlechts zitiert oder abgebildet?
- Wie oft sind die führenden oder entscheidenden Personen männlich/weiblich/nichtbinär?
- Wie oft werden Sachverhalte sprachlich geschlechtergerecht geschildert?
Ressourcen:
- Wie werden vorhandene Ressourcen zwischen Männern, Frauen und nichtbinären Personen aufgeteilt?
- Wie viel Raum oder Zeit nimmt die Darstellung von Personen unterschiedlicher Geschlechter ein?
- In welchem Umfang werden geschlechtsspezifische Interessensbereiche gefördert?
Realität:
- Warum herrscht in der Repräsentation der Geschlechter sowie in der Verteilung von Ressourcen eine geschlechtsbezogene Ungleichheit?
- Warum werden Frauen und nonbinäre Personen weniger häufig zitiert oder abgebildet?
- Warum spielt das Geschlecht eine Rolle dabei, welchen beruflichen Werdegang eine Person einschlägt?
- Warum sind Personen unterschiedlichen Geschlechts in Gremien ungleich vertreten?
Didaktische Funktionen
Die Methode dient dazu, das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Differenzen im Hochschulkontext zu stärken. Dabei lässt sie sich auf verschiedene Sachverhalte und Kontexte anwenden – von einzelnen Lehrveranstaltungen über einen bestimmten Fachbereich bis auf die Hochschule insgesamt. Hierbei werden Ungleichheiten thematisiert und der Blick für Zusammenhänge im Bereich Gender und Lehre geschärft.
Quelle:
file:///C:/Users/49177/Downloads/180773_projektbeschreibung_3r_methode.pdf
Tool 04
World Café
Debattieren in wechselnden Kleingruppen
Debattieren in wechselnden Kleingruppen
Kurzbeschreibung
Das World Café ist eine Methode, bei der verschiedene Fragestellungen zu einem Oberthema in wechselnden Kleingruppen debattiert werden.
Vorgehen
- Es werden im Vorfeld ein Oberthema sowie mehrere zugehörige Kernfragen festgelegt. Die Anzahl liegt je nach Gesamtgruppengröße bei 3-6 Kernfragen.
- Außerdem wird festgelegt, wer die Rolle der Moderation übernimmt. Pro Gruppe gibt es eine moderierende Person, die den Teilnehmenden in der späteren Diskussion Impulse geben, sie motivieren, Fragen klären und den Austausch steuern. Es kann sich hierbei um Freiwillige aus der Gruppe oder um Menschen mit Expertise handeln.
- Gegebenenfalls lesen die Teilnehmenden vorab (unterschiedliche) Texte oder recherchieren eigenständig zum Oberthema.
- Zu Beginn des World Cafés ziehen sie dann Zettel mit einer Zahlenfolge, welche die Tischreihenfolge bestimmt.
- An den nummerierten Tischen wird unter der Leitung der Moderation mit ca. 5 Personen je eine der Kernfragen diskutiert. Die Ergebnisse werden auf Plakaten festgehalten.
- Nach ca. 20-30 Minuten findet ein Tischwechsel statt, im Zuge dessen nur die Moderation am selben Tisch bleibt und ihrer neuen Gruppe die Zwischenergebnisse erklärt. So wird in bis zu 4 Runden diskutiert.
- Am Ende stellt die Moderation die Gruppenergebnisse im Plenum vor und es kommt zur gemeinsamen Schlussbetrachtung.
Beispiel
Oberthema:
- Genderaspekte im Studium und an der Hochschule
Kernfragen:
- Tisch 1: Wo begegnet uns geschlechtsbezogene Diskriminierung im Hochschulalltag?
- Tisch 2: Wie können Studierende verschiedener Fachrichtungen besser für Gender in der Lehre sensibilisiert werden?
- Tisch 3: Welchen Einfluss haben gesellschaftliche Rollenerwartungen auf die individuelle Studienwahl?
Didaktische Funktionen
Bei der Methode des World Cafés handelt es sich um ein abwechslungsreiches und effizientes Tool, mithilfe dessen sich die Teilnehmenden geschlechtsspezifischer Problemlagen bewusst werden können. Durch die Annäherung an ein Oberthema aus verschiedenen Blickwinkeln werden zugleich eigenständige Gedankengänge sowie die persönliche Debattierfähigkeit gefördert. Als Ergebnis der Methode können außerdem konkrete Lösungsansätze hervorgehen.
Quelle:
Tool 05
Gender-Alphabet
Staffellauf mit Gender-Begriffen
Staffellauf mit Gender-Begriffen
Kurzbeschreibung
Lerncards sind eine Methode, die das fachspezifische Wissen von Studierenden gezielt fördert und festigt. Dabei entwickeln sie selbst Frage- und Antwortkarten zu Seminarinhalten, mit denen sie das Gelernte wiederholen, indem sie sich gegenseitig befragen. Die Übung lässt sich so variieren, dass sie wahlweise als Gruppen-, Paar- oder Einzelübung fungieren kann.
Vorgehen
- Die Lehrperson verteilt Karteikarten und gibt den Studierenden den Auftrag, sich Wiederholungsfragen zu den behandelten Lerninhalten zu überlegen.
- Die Studierenden beschriften ihre Lernkarten in einer stillen Arbeitsphase, wobei jeweils Frage und Antwort auf der Vorder- und Rückseite derselben Karte vermerkt werden. Hierbei dürfen sämtliche Unterlagen aus dem Seminar herangezogen werden.
- Variante Teamübung: Die Lehrperson sammelt alle Lernkarten ein. Es bilden sich Teams, die versuchen, die von der Lehrperson verlesenen Fragen zu beantworten und dadurch Punkte zu sammeln. Kann eine Frage nicht beantwortet werden, ist das nächste Team an der Reihe. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt das Quiz.
- Tandem-Variante: Mit der eigenen Karte gehen die Studierenden durch den Raum, finden sich paarweise zusammen und befragen sich gegenseitig. Auf das Signal der Lehrperson hin findet ein Paarwechsel statt.
- Variante Einzelübung: Die Lernkarten werden von der Lehrperson erst eingesammelt und anschließend in mehreren Durchgängen neu ausgeteilt. Alle Studierenden lesen sich die erhaltene Karte durch und überprüfen hiermit eigenständig ihr Wissen.
- Am Ende der Übung behält die Lehrperson die Lernkarten ein. So kann die Übung über ein Semester hinweg beliebig oft wiederholt und gegebenenfalls auch sukzessive durch neue Inhalte ergänzt werden.
Didaktische Funktionen
Mithilfe der Lerncards können Studierende nicht nur spielerisch Inhalte wiederholen und sich gemeinsam auf Prüfungen vorbereiten, sie verbessern nebenbei auch ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Parallel erforschen die Studierenden zudem den eigenen Lernstil und können daran angelehnt ein systematisches Vorgehen für eigene Lerneinheiten entwickeln. Aus diesem Grund eignet sich die Methode besonders für untere Semester, die hierbei noch Unterstützung brauchen. Gleichzeitig werden im Rahmen einer Lernkontrolle Wissenslücken identifiziert, aus denen Lehrende Anschlussübungen und neue Lerninputs ableiten können.
Quelle:
Tool 06
Think-Pair-Share
Diskussion einer Frage in drei Phasen
Diskussion einer Frage in drei Phasen
Kurzbeschreibung
Durch die Diskussion einer Frage in drei Phasen – alleine, in Kleingruppen und im Plenum – werden Studierende aktiviert und zum individuellen Nachdenken über die Lehrinhalte angeregt.
Vorgehen
- Die Lehrperson stellt eine Frage bzw. gibt eine Aufgabenstellung vor.
- Die Studierenden haben zunächst 30 Sekunden bis 3 Minuten Zeit, allein über die Frage nachzudenken und sich Notizen zu machen. Dabei herrscht Ruhe im Raum.
- In der nächsten Phase sollen sich die Studierenden paarweise oder in Kleingruppen 1 bis 3 Minuten austauschen. Die Konstellation der Studierenden kann hierbei entweder gelost werden oder sich aus der Sitzordnung im Hörsaal ergeben.
- Zuletzt stellen einzelne Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum vor, während die anderen ihre Antworten ergänzen.
Didaktische Funktionen
Hier werden alle Studierenden aktiviert und zur Auseinandersetzung mit den Inhalten ermutigt, weshalb sich das Tool besonders für große Studiengruppen eignet. Auch Studierenden, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht dazu bereit fühlen, im Plenum frei zu sprechen, wird durch die Methode der Austausch ermöglicht. Darüber hinaus wird ihnen mehr Zeit zum Nachdenken gegeben, wodurch eine inklusive Lehre gestützt wird. Auf diese Weise erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine diversere Partizipation, wobei die vielfältigen Lösungsansätze eine Bereicherung für Studierende und Lehrende gleichermaßen darstellen.
Quelle:
Tool 07
Gender- und diversitätssensible Bildanalyse
Evaluation von Abbildungen in den Lehrmaterialien
Evaluation von Abbildungen in den Lehrmaterialien
Kurzbeschreibung
Das in der Lehre verwendete Bildmaterial wird fragegeleitet auf seine Gender- und Diversitätssensibilität hin analysiert. Die Methode kann von Lehrenden im Zuge einer Selbstevaluation selbst durchgeführt oder durch die Studierenden gestützt werden, die ihre Ergebnisse anschließend mit der Lehrperson teilen.
Vorgehen
- Zunächst wird das Lehrmaterial gesichtet und personenbezogene Abbildungen gesammelt.
- Dann werden die Bilder nacheinander eingehend betrachtet und anhand der untenstehenden Fragen analysiert. Dabei ist es sinnvoll, sich Notizen zu machen und alle Beobachtungen festzuhalten.
- Im Anschluss reflektieren die Beteiligten den Zusammenhang von Diversitätsmerkmalen und ihrer Abbildung. Was fällt auf?
- Außerdem kann diskutiert werden, wie das Bildmaterial bereits existente Stereotype potentiell verstärkt.
- Zuletzt sammeln die Beteiligten Ideen, inwiefern das Lehrmaterial angepasst werden müsste, um die Lehre gender- und diversitätssensibler zu gestalten.
- Haben Studierende die Bildanalyse durchgeführt, vermitteln sie der Lehrperson ihre Ergebnisse abschließend in einer konstruktiven Feedbackrunde.
Beispiel
Fragen zur Gendersensibilität:
- Wie ausgewogen werden unterschiedliche Geschlechter dargestellt?
- Welche geschlechtsspezifischen Eigenschaften oder Charakterzüge werden durch die Darstellung impliziert?
- Wie viel Raum nehmen die weiblich und männlich gelesenen Personen jeweils ein? Wie verhalten sie sich?
- Welche Berufe üben die abgebildeten Personen aus?
- Lassen sich bestimmte Muster erkennen? Werden Geschlechterklischees und Rollenbilder reproduziert?
Fragen zur Diversität:
- Werden Menschen mit diversen ethnischen Hintergründen und Hautfarben abgebildet?
- Repräsentiert das Lehrmaterial eine Bandbreite an Körperformen und Altersstufen?
- Sind Menschen mit Behinderungen zu sehen? In welchem Kontext tauchen sie auf?
- Welche Rolle spielt Religion und wie werden Angehörige unterschiedlicher Glaubensrichtungen visualisiert?
- Welche Möglichkeiten gibt es, bestimmte Darstellungsmuster aufzubrechen, um die Realität in ihrer Vielfalt ausgewogener abzubilden?
Didaktische Funktionen
Die Bildanalyse unterstützt alle Beteiligten dabei, eine gendersensible und diverse Lehre zu gestalten, indem sie ihnen bestimmte Muster in der Darstellung unterschiedlicher Personengruppen aufzeigt. Darüber hinaus werden sowohl Studierende als auch Lehrende dazu angeregt, eigene Stereotype zu reflektieren und zu hinterfragen. Aus diesem Grund bildet das Tool die Grundlage für eine umfassende Überarbeitung von Lehrmaterialen über die inhaltliche und sprachliche Ebene hinaus.
Tool 08
Das Genderrad
Selbstverortung - typisch männlich, typisch weiblich
Selbstverortung – typisch männlich, typisch weiblich
Kurzbeschreibung
Das Genderrad ist eine Übung, bei der sich Studierende hinsichtlich ihres sozialen Geschlechts selbst verorten, indem sie entscheiden, welche männlich oder weiblich konnotierten Attribute auf sie zutreffen. Die Ergebnisse der Übung können die Grundlage für eine tiefergehende Selbstreflexion sowie eine Auseinandersetzung mit Gender im Kontext der eigenen Berufswahl bilden.
Vorgehen
- Die Darstellung eines binären Genderrads, welches sich optisch am klassischen Glücksrad orientiert, wird in ausgedruckter Papierform an alle Teilnehmenden verteilt. Das Genderrad bildet eine Vielzahl an Eigenschaften ab, die klassischerweise dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden. Hierzu erfolgt jedoch zunächst keine Erklärung (Abbildung 1).
- Die Teilnehmenden bekommen genug Zeit zu überlegen, welche Attribute auf sie persönlich zutreffen. Identifizieren sie sich kaum mit einer Eigenschaft, wird ein Kreuz innen gesetzt, besteht eine große Identifikation, wandert das Kreuz nach außen.
- Im nächsten Schritt werden die gesetzten Kreuze miteinander verbunden.
- Erst jetzt werden die Teilnehmenden auf die stereotype Belegung der Eigenschaften aufmerksam gemacht (Abbildung 2). Die Ergebnisse können nun diskutiert werden, wobei die Präsentation des eigenen Genderrads nur auf freiwilliger Basis erfolgt, da es sich um sensible Informationen handelt.
- Die Ergebnisse können im nächsten Schritt von den Teilnehmenden mit nach Hause genommen oder alternativ als Ausgangspunkt für weitere Analysen verwendet werden.
Beispiel
Didaktische Funktionen
Die Methode dient der Selbstreflexion von Studierenden und kann besonders in Hinblick auf den Arbeitsmarkt und dort vorherrschende Männer- und Frauendomänen aufschlussreich sein. Allem voran dient das Genderrad aber der Auseinandersetzung mit dem sozialen Geschlecht und damit verbundenen Stereotypen in unserer Gesellschaft. Dabei wird deutlich, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, jegliche Eigenschaften individuell beanspruchen können.
Quelle:
https://www.uebergangschuleberuf.de/wp-content/uploads/2022/01/13070_AWOHRGendersensibel.pdf
Tool 09
Positionsbarometer
Studierende positionieren sich zu Thesen
Studierende positionieren sich zu Thesen
Kurzbeschreibung
Hier positionieren sich Studierende zu vorgegebenen Thesen, die geschlechtsspezifische Unterschiede reproduzieren. Die Thesen können sich dabei auf eine bestimmte Branche, Fachrichtung, den Hochschulkontext oder den Arbeitsmarkt im Allgemeinen beziehen. Die Positionierung ist der Ausgangspunkt für eine Gruppendiskussion zu Geschlechterstereotypen und deren Überwindung im Zuge der eigenen Studien- und Berufswahl.
Vorgehen
- Die Lehrperson bereitet Thesen vor und projiziert diese für alle lesbar vorne an die Tafel. Die Thesen enthalten sowohl Aussagen, die den gängigen Geschlechterstereotypen entsprechen als auch solche, die auf den ersten Blick irritieren.
- Die Teilnehmenden dürfen nun kurz überlegen und positionieren sich dann ihrer Zustimmung entsprechend im Raum, z.B. links für geringe und rechts für hohe Zustimmung.
- Anschließend sollen sich die Studierenden Zeit nehmen, sich im Raum umzusehen und das entstandene Bild zu erfassen. Dabei dürfen sie sich Notizen für die spätere Diskussion machen.
- Dieser Vorgang wird beliebig oft mit neuen Thesen wiederholt. Für mehr Partizipation aufseiten der Studierenden können diese auch beauftragt werden, sich selbst im Vorfeld Thesen zu überlegen.
- Schließlich kehren alle zu ihren Plätzen zurück und reflektieren die Übung gemeinsam anhand von Diskussionsfragen.
Beispiel
Thesen:
- Männer sind handwerklich begabter als Frauen.
- Frauen sind für Führungspositionen besser geeignet als Männer.
- Männer sind im Beruf erfolgreicher und leisten mehr.
- Mütter sind für die Erziehung von Kindern wichtiger als Väter.
- Männer interessieren sich besonders für soziale Berufe.
- Frauen haben es in männerdominierten Berufsfeldern schwer.
Diskussionsfragen:
- Inwieweit treffen die Thesen auf euch selbst zu?
- Warum haben wir unterschiedliche Erwartungen an Männer und Frauen, beispielsweise bezüglich Interessen und Verhaltensweisen?
- Beeinflussen Klischees unseren beruflichen Werdegang und was wir uns selbst zutrauen?
- Was können wir tun, um diese Stereotype zu durchbrechen?
Didaktische Funktionen
Bei dem Positionsbarometer handelt es sich um ein Tool, dass als dynamisches Warm-Up zu Beginn eines Workshops oder Seminars eingesetzt werden kann. Hier kommen die Studierenden nicht nur physisch in Bewegung, sondern fangen auch an, eigene Glaubenssätze kritisch zu hinterfragen. Jene Thesen, die den verbreiteten Geschlechterklischees widersprechen, verstärken diesen Prozess und regen durch die entstandene Irritation besonders spannende Gruppendiskussionen an. Folglich können sich Studierende und Lehrende gleichermaßen ein Bild von in der Gruppe verbreiteten Glaubenssätzen machen und diese fortan berücksichtigen.
Quelle:
https://spi-praxisbo.de/wp-content/uploads/2024/01/Veroeffentlichung_Genderkompetenz.pdf
Tool 10
Gender- und diversitätssensible Bildanalyse
Evaluation von Abbildungen in den Lehrmaterialien
Evaluation von Abbildungen in den Lehrmaterialien
Kurzbeschreibung
Das in der Lehre verwendete Bildmaterial wird fragegeleitet auf seine Gender- und Diversitätssensibilität hin analysiert. Die Methode kann von Lehrenden im Zuge einer Selbstevaluation selbst durchgeführt oder durch die Studierenden gestützt werden, die ihre Ergebnisse anschließend mit der Lehrperson teilen.
Vorgehen
- Zunächst wird das Lehrmaterial gesichtet und personenbezogene Abbildungen gesammelt.
- Dann werden die Bilder nacheinander eingehend betrachtet und anhand der untenstehenden Fragen analysiert. Dabei ist es sinnvoll, sich Notizen zu machen und alle Beobachtungen festzuhalten.
- Im Anschluss reflektieren die Beteiligten den Zusammenhang von Diversitätsmerkmalen und ihrer Abbildung. Was fällt auf?
- Außerdem kann diskutiert werden, wie das Bildmaterial bereits existente Stereotype potentiell verstärkt.
- Zuletzt sammeln die Beteiligten Ideen, inwiefern das Lehrmaterial angepasst werden müsste, um die Lehre gender- und diversitätssensibler zu gestalten.
- Haben Studierende die Bildanalyse durchgeführt, vermitteln sie der Lehrperson ihre Ergebnisse abschließend in einer konstruktiven Feedbackrunde.
Beispiel
Fragen zur Gendersensibilität:
- Wie ausgewogen werden unterschiedliche Geschlechter dargestellt?
- Welche geschlechtsspezifischen Eigenschaften oder Charakterzüge werden durch die Darstellung impliziert?
- Wie viel Raum nehmen die weiblich und männlich gelesenen Personen jeweils ein? Wie verhalten sie sich?
- Welche Berufe üben die abgebildeten Personen aus?
- Lassen sich bestimmte Muster erkennen? Werden Geschlechterklischees und Rollenbilder reproduziert?
Fragen zur Diversität:
- Werden Menschen mit diversen ethnischen Hintergründen und Hautfarben abgebildet?
- Repräsentiert das Lehrmaterial eine Bandbreite an Körperformen und Altersstufen?
- Sind Menschen mit Behinderungen zu sehen? In welchem Kontext tauchen sie auf?
- Welche Rolle spielt Religion und wie werden Angehörige unterschiedlicher Glaubensrichtungen visualisiert?
- Welche Möglichkeiten gibt es, bestimmte Darstellungsmuster aufzubrechen, um die Realität in ihrer Vielfalt ausgewogener abzubilden?
Didaktische Funktionen
Die Bildanalyse unterstützt alle Beteiligten dabei, eine gendersensible und diverse Lehre zu gestalten, indem sie ihnen bestimmte Muster in der Darstellung unterschiedlicher Personengruppen aufzeigt. Darüber hinaus werden sowohl Studierende als auch Lehrende dazu angeregt, eigene Stereotype zu reflektieren und zu hinterfragen. Aus diesem Grund bildet das Tool die Grundlage für eine umfassende Überarbeitung von Lehrmaterialen über die inhaltliche und sprachliche Ebene hinaus.
Quellen:
https://www.genderleicht.de/https://www.wu.ac.at/fileadmin/wu/h/structure/about/publications/aktuelle_Brosch%C3%BCren/fair_und_inklusiv.pdf