Eingemachtes
Begriffe zu
Gender
Los geht’s mit unserem frischen Obstsalat – einer bunten Mischung der fruchtigsten Begriffe rund um Gender.
Das Thema Gender umfasst verschiedene Aspekte, die wir im Folgenden erklären. Wortwörtlich übersetzt meint Gender die Geschlechtsidentität eines Menschen. Um zu verstehen, was es damit auf sich hat, wird es hier auch um das biologische Geschlecht, die Begriffe trans* und cis*, den Geschlechtsausdruck sowie die sexuelle Orientierung gehen.
Das biologische Geschlecht (engl.: sex) beschreibt die genetische, körperliche und chromosomale Konstitution des Menschen. Je nach Ausprägung ist das biologische Geschlecht weiblich, männlich oder intergeschlechtlich. Intergeschlechtlichkeit ist eine medizinische Beschreibung dafür, dass die körperlichen Merkmale nicht eindeutig als männlich oder weiblich zugeordnet werden können oder Merkmale beider Geschlechter aufweisen. Analog zum biologischen Geschlecht erfolgt seit 2019 der Personalausweiseintrag als männlich, weiblich, divers oder ohne Geschlechtsangabe (Personenstandsgesetz).
Quellen:
htts://genderdings.de/koerper/intergeschlechtlichkeit/
Kessler, S..; McKenna, W. (1978): Gender; An Ethnomethodological Approach. New York: John Wiley & Sons.
Malmedie, L. (2023): Geschlecht und Gender in der modernen Zeit. In: Hackmann, N.; Shirchinbal, D.; Wolff, C. (Hrsg.): Geschlechter in Un-Ordnung; Zur Irration von Zweigeschlechtlichkeit im Wissenschaftsdiskurs. Opladen; Berlin; Toronto: Verlag Barbara Budrich, S. 99-115.
Die Kategorie des sozialen Geschlechts, auch Geschlechtsidentität oder Gender genannt, ist sozial konstruiert. Das bedeutet, dass ihr keine biologische Essenz vorausgeht und sie je nach Kultur, Religion, Generation oder moralischen und wertbezogenen Vorstellungen unterschiedlich geprägt ist. So sind beispielsweise geschlechtsspezifische Eigenschaften, Vorlieben und Fähigkeiten durch gesellschaftliche Geschlechterrollen bedingt und damit unabhängig vom biologischen Geschlecht.
Die individuelle Geschlechtsidentität einer Person ist von außen nicht unbedingt erkennbar. Neben den bekanntesten und am weitesten akzeptierten Geschlechtsidentitäten „Frau“ und „Mann“ gibt es noch viele weitere: von „nichtbinär“ und „genderqueer“ über „genderfluid“ oder „agender“ bis hin zu „polygender“. Je nach Geschlechtsidentität wählen Menschen auch ihre Pronomen, also wie sie angesprochen werden möchten. Beispiele für Pronomen sind „sie“, „er“, „xier“, „ey“, „dey“ oder „sier“. Hier gilt: Eine Umgewöhnung braucht Zeit, und Nachfragen ist erlaubt.
Quellen:
https://www.hrweb.at/2022/01/xier-gender-pronomen/
https://www.liebesleben.de/fuer-alle/geschlechtsidentitaet/geschlechtsidentitaet-und-geschlechtliche-vielfalt/
https://www.liebesleben.de/fuer-alle/geschlechtsidentitaet/trans/
https://genderdings.de/gender/
https://www.feel-ok.ch/de_CH/jugendliche/themen/queer/lgbt/kurzfassung/kurzfassung.cfm
Es gibt noch eine weitere Unterscheidung hinsichtlich der Geschlechtsidentität: Diese besteht zwischen trans* und cis*. Cis*, oder auch cisgeschlechtlich, bezeichnet Menschen, deren soziales Geschlecht mit ihrem biologischen Geschlecht übereinstimmt. Trans*, oder auch transgeschlechtlich, bedeutet, dass das von außen zugeschriebene oder bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht dem eigenen Geschlechtsempfinden entspricht. Beispielsweise kann sich eine Person als Frau fühlen, wird aber von anderen Menschen als Mann wahrgenommen. Es gibt trans* Menschen, die deshalb ihren Namen und ihr Aussehen ändern oder geschlechtsangleichende Maßnahmen vornehmen lassen. Auch inter* Menschen können trans- oder cisgeschlechtlich sein.
Seit 2006 sind trans* Menschen in Deutschland durch das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) vor Benachteiligung aufgrund ihres Geschlechts geschützt. Das „Selbstbestimmungsgesetz“, das ab dem 1. November 2024 in Kraft getreten ist, sieht außerdem vor, dass trans- und intergeschlechtliche sowie nichtbinäre Menschen in Deutschland vonb nun an leichter ihren Vornamen und ihr eingetragenes Geschlecht beim Standesamt ändern lassen können.
Quellen:
https://www.liebesleben.de/fuer-alle/geschlechtsidentitaet/trans/
https://genderdings.de/gender/geschlechtsidentitaet/
https://www.liebesleben.de/fuer-alle/geschlechtsidentitaet/inter/
https://www.liebesleben.de/fuer-alle/geschlechtsidentitaet/diskriminierung-geschlecht/
https://gegen-antifeminismus.de/trans-menschen-als-bedrohung-fuer-frauenrechte/
Der Geschlechtsausdruck bringt die eigene Geschlechtsidentität zum Beispiel durch Frisur, Kleidung, Ausdrucksweise, Verhalten, persönliche Interessen oder Vorlieben individuell zum Ausdruck. Da der Geschlechtsausdruck nach außen sicht- und hörbar ist, ruft er bei den Betrachtenden Assoziationen mit einem oder mehreren Geschlechtern hervor. Welche Eigenschaften an welches Geschlecht erinnern, ist kulturell geprägt und unterliegt stets dem Wandel der Zeit.
Es gibt sowohl cis* als auch trans* Menschen, die sich so verhalten und kleiden möchten, dass sie eindeutig als Frau oder Mann wahrgenommen werden. Andere möchten das nicht oder nur teilweise. Dies wird oft als Normabweichung empfunden und kann zu Irritationen oder Unsicherheiten führen. Menschen, die sich nicht eindeutig den gewohnten Geschlechterkategorien zuordnen lassen, machen deshalb häufig Erfahrungen mit Abwertung und Gewalt.
Mit der zunehmenden Anerkennung und Wertschätzung vielfältiger Geschlechtsidentitäten wandelt sich das binäre Geschlechterverständnis in unserer Gesellschaft. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, dem eigenen Geschlecht nach Belieben Ausdruck zu verleihen und dabei gesellschaftliche Akzeptanz zu erfahren. Dies ist ein essenzieller Teil einer freien Persönlichkeitsentwicklung.
Quellen:
https://genderdings.de/gender/geschlechterrollen/
https://www.feel-ok.ch/de_CH/jugendliche/themen/queer/lgbt/koerperliches_geschlecht_geschlechtsidentitaet_geschlechtsausdruck/lgbtqia/geschlechtsausdruck.cfm
https://www.regenbogenportal.de/informationen/geschlechtsidentitaet-und-ausdruck
Die sexuelle Orientierung einer Person bestimmt, wen sie attraktiv und begehrenswert findet. Sie ist nicht festgeschrieben, sondern kann sich im Laufe des Lebens immer wieder verändern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Person cis* oder trans* ist. Neben heterosexuell (Begehren eines anderen Geschlechts) können Menschen auch asexuell (ohne Begehren), bisexuell (Begehren mehrerer Geschlechter), homosexuell (Begehren des gleichen Geschlechts) oder pansexuell (Begehren unabhängig vom Geschlecht) sein.
Als Abkürzung für Personen, die hinsichtlich ihres sozialen oder biologischen Geschlechts oder der sexuellen Orientierung nicht der heterosexuellen ‚Norm‘ oder dem binären Geschlechterverständnis entsprechen, wird oft die Abkürzung LGBTQIA+ verwendet.
Quellen:
Kappler, K. (2019): Die Verfolgungen wegen der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft.
https://www.liebesleben.de/fuer-alle/sexuelle-orientierung/
https://www.liebesleben.de/fuer-alle/sexuelle-orientierung/vorurteile-rund-um-die-sexuelle-orientierung/
https://www.liebesleben.de/fuer-alle/sexuelle-orientierung/diskriminierung-und-sexuelle-orientierung/