Backzutaten
Genderkompetenz
Die geheime Grundzutat für eine besonders süße Rezeptur: Unser Bourbon Vanillezucker. Hier kommen alle Wissbegierigen auf ihre Kosten, denn wir verraten euch, warum Genderkompetenz der Schlüssel zu gendersensibler Lehre ist.
Das Fundament für eine gendersensible Hochschullehre bildet die Genderkompetenz der Lehrenden. Was genau wir unter Genderkompetenz verstehen und warum dabei Können, Wissen und Wollen eine Rolle spielen, erfahrt Ihr hier.
Genderkompetenz bezeichnet „das Wissen über Geschlechtertheorien sowie die Wahrnehmung von Geschlechterverhältnissen und -strukturen als soziale Konstruktionsprozesse und deren Ursachen“ (1). Im Hochschulkontext ist sie gleichbedeutend mit einer gendersensiblen und geschlechterreflektierten Pädagogik.
Grundlegend dafür ist ein umfassender Einblick in gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse, -strukturen und -stereotype sowie die Konstruiertheit von Männlichkeit und Weiblichkeit. Ebenso spielen das Wissen über die historische Entwicklung von Rollenbildern und die heute noch existierenden strukturellen Ungleichheiten eine zentrale Rolle.
Diese Kenntnisse helfen dabei, persönliche Vorstellungen und die eigene Umsetzung von Weiblichkeit und Männlichkeit (doing gender) zu reflektieren. Sie ermöglichen es, die eigene Verortung in geschlechtlichen Ungleichheitsverhältnissen zu hinterfragen und zu dekonstruieren (undoing gender).
Neben dem Wissen (Fachkompetenz) und dem Wollen (Selbstkompetenz) ist Genderkompetenz auch eng mit dem Können (Methodenkompetenz) verbunden, also der konkreten Anwendung im Lehralltag.
Quelle:
In der Begegnung mit anderen Personen im Hochschulalltag ist eine Haltung erforderlich, die vielfältige Geschlechtsidentitäten ebenso wie vorherrschende Machtverhältnisse und Ungleichheiten anerkennt.
Für Lehrende bedeutet Genderkompetenz, das Verhalten und die Einstellungen von Studierenden im Kontext gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse und Biases zu reflektieren. Auf dieser Basis können Lehrende Studierende verstärkt individuell fördern und sie dabei unterstützen, geschlechtsbezogene Stereotype zu überwinden.
Genderkompetenz ist keine Verhaltensstrategie, die sich Lehrende im Sinne von Anwendungsbeispielen einfach aneignen können. Es geht neben grundlegenden Kenntnissen zu Gendertheorien vielmehr um ein gesteigertes Bewusstsein für geschlechtsspezifische Denkmuster und die Reflexion des eigenen Handelns.
Idealerweise führt Genderkompetenz als Schlüsselelement gendersensibler Lehre zu mehr Wohlbefinden und besseren Leistungen bei den Studierenden. Die gesteigerte Motivation der Studierenden kann sich in Form von positiverem Feedback ebenso vorteilhaft für Lehrende auswirken. Von Gendersensibilität und einem Klima der Offenheit an der Hochschule profitieren also letztendlich alle Beteiligten.
Wie können wir unsere eigene Genderkompetenz weiter ausbauen? Von einer Möglichkeit machst du gerade schon Gebrauch: Du informierst dich hier. Das ist klasse! Im Folgenden bekommst du deshalb einen Überblick über die wichtigsten Aspekte von Genderkompetenz mit einer anschließenden Checkliste für deine Lehre. Los geht’s!
Voraussetzung für eine gendersensible Lehre ist ein inklusives Lernsetting. Hier gilt es zum Beispiel, Veranstaltungen und Sprechstunden so zu planen, dass auch Studierende mit Care-Verpflichtungen teilnehmen können.
Von besonderer Bedeutung ist außerdem eine wertschätzende Kommunikation mit und zwischen den Studierenden. Schließlich kommt Bildung nicht ohne Beziehungsarbeit aus. Die Interaktion auf Augenhöhe macht es Lehrenden und Studierenden möglich, geschlechtsspezifische Ungleichheiten in ihrer Fachrichtung gemeinsam zu identifizieren, reflektieren und Lösungsstrategien zu erarbeiten.
Insgesamt motiviert eine fehlerfreundliche und angstfreie Lernkultur Studierende, ihre individuellen Potentiale bestmöglich in die Lehre einzubringen und die eigenen Kompetenzen auszubauen.
Mögliche Reflexionsfragen sind:
- Achte ich auf einen wertschätzenden Umgang mit den Studierenden in meiner Lehrveranstaltung?
- Herrscht in meiner Lehrveranstaltung eine fehlerfreundliche und angstfreie Lernkultur?
- Achte ich auf eine ausgewogene Gruppenbildung und Arbeitsverteilung?
- Biete ich allen Studierenden die Möglichkeit der Teilnahme an Lehrveranstaltungen und Prüfungen (z.B. durch hybride Lehrformen oder die Beachtung von Kita-Öffnungszeiten)?
- Biete ich zuverlässige, regelmäßige und alternativ flexible (Online-) Sprechstunden an?
- Bin ich offen für konstruktives Feedback in meinen Lehrveranstaltungen? Hole ich mir regelmäßig anonymisierte Rückmeldungen ein?
Quelle:
https://lakog-bw.de/wp-content/uploads/05.12.2022_Leitfaden_Gender-in-die-Lehre_final.pdf
Gelebte Genderkompetenz äußert sich auch in der inklusiven Gestaltung von Lehrmaterialien. Der Fokus liegt hier auf dem Bewusstsein für die ein- bzw. ausschließende Wirkung von Lehrmaterialien und den dabei transportierten Botschaften. Werden mit einem Berufsfeld oder einer Wissenschaftsdisziplin beispielsweise vorrangig Männer assoziiert, kann das zu einer ungewollten Selbstbeschränkung anderer Geschlechter führen. Um also allen Studierenden das gleiche berufliche Selbstverständnis zu vermitteln, sollten auch in den Lehrmaterialien vielgeschlechtliche Vorbilder auftauchen. Es empfiehlt sich deshalb unter anderem, auf eine ausgewogene Literaturliste sowie geschlechtergerechte Darstellungen in den Lehrmaterialien zu achten.
Darüber hinaus sollten die Lehrmaterialien so strukturiert sein, dass sich alle Studierenden anhand der Unterlagen orientieren können. Indem abwechslungsreiche und vielfältige didaktische Methoden zum Einsatz kommen, werden verschiedene Lerntypen angesprochen und aktiviert. Schließlich profitiert eine Lehrveranstaltung maßgeblich von der gesteigerten Beteiligung und Motivation der Studierenden.
Mögliche Reflexionsfragen sind:
- Bin ich mir der potenziell ein- bzw. ausschließenden Wirkung von Lerninhalten und Lehrmaterialien auf die Studierenden bewusst?
- Vermeide ich die Reproduktion von Stereotypen, tradierten Rollenbildern und geschlechtsbezogenen Generalisierungen?
- Achte ich auf eine Ausgewogenheit in der Literaturliste sowie die Sichtbarkeit von weiblichen und nichtbinären Forschenden, z. B. durch ausgeschriebene Vornamen?
- Ordne ich Quellen und Inhalte historisch ein (z. B. hinsichtlich der dominant männlichen Perspektive)?
Ob gesprochen oder in schriftlicher Form – Sprache spielt im Lehralltag eine elementare Rolle. Genau wie die Literaturliste oder bildliche Darstellungen in den Lehrmaterialien kann sie inkludierend oder exkludierend wirken.
Sprache übermittelt nicht nur Lerninhalte, sondern gleichzeitig auch Normen, Ideen und Vorstellungen von der Welt, in der wir leben. Diese prägen die Studierenden darin, wie sie die Wirklichkeit wahrnehmen und sich selbst darin verorten. Deshalb können verbalisierte Diskriminierung und die sprachliche Reproduktion von Stereotypen weitreichende Folgen haben.
Durch die Verwendung gendersensibler Sprache in der Lehre werden alle Studierenden gleichermaßen angesprochen, wahrgenommen und wertgeschätzt. Außerdem können Lehrende individuelle Leistungen und Erfolge von Studierenden unabhängig von ihrem Geschlecht bewusst hervorheben. Auf diese Weise werden für aktuelle und nachfolgende Jahrgänge vielfältige Vorbilder sichtbar gemacht.
Mögliche Reflexionsfragen sind:
- Bin ich mir der inkludierenden und exkludierenden Funktion von Sprache bewusst?
- Verwende ich in meiner Position als Lehrperson gendersensible Sprache, die alle gleichermaßen anspricht?
- Vermeide ich in meinem Sprachgebrauch Diskriminierung und Stigmatisierung bestimmter Personengruppen?
- Achte ich darauf, Studierende mit den von ihnen bevorzugten Pronomen anzusprechen?
- Lege ich in meiner Lehrveranstaltung Wert auf wertschätzende Kommunikation mit und zwischen den Studierenden?
Quelle:
https://www.genderdiversitylehre.fu-berlin.de/sprache/index.html
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Wenn du dir die folgenden Punkte regelmäßig vor Augen führst und in deiner Lehre entsprechend umsetzt, bist du bereits auf einem ziemlich guten Weg in Richtung Genderkompetenz. Versprochen!
- Verwendung gendersensibler Sprache und Bildsprache
- Basiswissen über Begriffe, Konzepte, Zahlen, Daten und Fakten rund um Gender
- Bewusstsein für die Bedeutung von Gender und Diversität in der eigenen Fachrichtung
- Wissen über hochschulinterne Anlaufstellen oder Gremien
- Teilhabemöglichkeiten aller Studierenden an einer Lehrveranstaltung
- Selbstreflexion über Unconscious Biases und eigene Ressourcen
- Gendersensible und inklusive Gestaltung von Lehrmaterialien
- Offenheit für konstruktives Feedback
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